ZRI 2023, 985

RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH & Co. KG, Köln RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH & Co. KG, Köln 2699-0490 Zeitschrift für Restrukturierung und Insolvenz ZRI 2023 NachrufReinhard Bork

Nachruf auf Bruno M. Kübler

Als Bruno M. Kübler am 6. April 1945 – also in den letzten Kriegstagen und wahrlich nicht mit dem „goldenen Löffel im Mund“ – geboren wurde, war nicht abzusehen, welch beeindruckenden Lebensweg er vor sich haben sollte. Seine Erfolge musste er sich mit Fleiß und unbändiger Energie hart erarbeiten. Die wichtigsten Etappen in Stichworten: Abitur mit 17, 1. Staatsexamen mit 21, das zweite – schon promoviert – mit 25; Zulassung als OLG-Anwalt mit 29 Jahren, dann gleich Berufung in den Gläubigerbeirat der Herstatt-Bank; 49 Jahre Tätigkeit im Insolvenzrecht als Insolvenzverwalter, Berater, Gläubigervertreter, rechtspolitisch Engagierter, Initiator und langjähriger Vorsitzender sowohl des Gravenbrucher Kreises als auch von INSOL Europe; Gründer und Verleger des RWS Verlages, an dem sein berufliches Herz besonders hing.
Es gibt eine ganze Reihe hervorstechender Eigenschaften, die ihn auszeichneten. Ganz wesentlich war sein herausragender Gestaltungswille, gepaart mit beeindruckendem Mut zum unternehmerischen Risiko, mit dem er Dinge selbst anging oder als Impulsgeber anschob. Bruno Kübler war nicht nur ein glänzender Jurist von hoher Intelligenz und großen analytischen Fähigkeiten, sondern auch ein „Macher“, ein kreativer und wirtschaftlich erfolgreicher Unternehmer – und damit der geborene Insolvenzverwalter. Er hatte ein gutes Gespür für Themen und Lösungen und er gab nicht schnell auf. Mit kreativer Beharrlichkeit verlor er sein Ziel nicht aus den Augen und stand für seine Sache ein. Das war gepaart mit taktischer Perspektive und extremer Genauigkeit. Wo nötig, zeigte er erhebliches kämpferisches Naturell, blieb aber auch in der Niederlage souverän. Als Gegner mochte man ihn nicht unbedingt haben – dafür umso lieber als Bundesgenossen und verlässlichen Freund.
Besondere Erwähnung verdient seine großzügige Hilfsbereitschaft. Wer sich an ihn mit der Bitte um Unterstützung wandte, wurde nicht enttäuscht, und oft genug gewährte er Hilfe, noch bevor sie erbeten wurde. Er hat sich nicht nur einen Namen als uneigennützig fördernder Freund von Wissenschaft, Kunst und Musik gemacht, sondern sich ganz generell großzügig gezeigt gegenüber seinen Freunden und denen, die ihm nahestanden. Davon legen nicht zuletzt etliche rauschende Feste mit einer großen Gästeschar Zeugnis ab, etwa die Feier, mit der er sich 2015 für die ihm zugedachte Festschrift bedankte, oder die Feiern seiner runden Geburtstage.
Bruno Kübler war ein eleganter Mann, ein Mann mit Stil. Er war belesen, kunstsinnig und vielfältig interessiert. Er konnte fürsorglich und zugewandt sein, und keiner litt mehr unter den Wunden, die man sich und seinen Lieben im Leben gelegentlich zufügt, als er selbst. In den letzten Jahren, in denen er sich allenfalls mühsam und zögerlich mit dem Konzept „Ruhestand“ anfreunden konnte, wurde sein Kampfesmut zunehmend von einer zugewandten freundlichen Milde überlagert, in der sich nicht nur die sommerliche Wärme seiner zweiten Heimat Mallorca, sondern auch die Herzenswärme seiner Ehefrau Ines widerspiegelte.
Die ZRI verdankt Bruno Kübler ihre Existenz. Bislang Alleingesellschafter des RWS Verlages, holte er sich 1990 den Otto Schmidt Verlag als gleichberechtigten Mitgesellschafter mit ins Boot. Die Gesellschafter trennten sich 2019 wieder voneinander, wobei die von Bruno M. Kübler gegründete ZIP sowie die EWiR auf Otto Schmidt übergingen. Bruno Kübler sah freilich Chancen für eine konkurrierende, aber ganz dem Restrukturierungs- und Insolvenzrecht verpflichtete neue Zeitschrift, die ZRI. Er maß ihr gute Aussichten auf einem umkämpften Markt bei, und wie so oft sollte sein unternehmerisches Gespür Recht behalten. Gleiches gilt im Übrigen auch für den INDat Report, den Bruno Kübler 2001 aus der Taufe gehoben hatte, um erstmals die Bestellungen der Insolvenzverwalter transparent zu machen.
Am 13. November 2023 ist Bruno Kübler, im Alter von 78 Jahren viel zu früh, friedlich eingeschlafen. Die Insolvenzszene hat eine prägende Figur verloren, der Verlag seinen Spiritus Rector, Wissenschaft und Kultur einen engagierten Förderer, ich selbst nicht nur einen Mitherausgeber mancher gemeinsam verantworteten Werke, sondern vor allem einen guten und treuen Freund. Er wird uns sehr fehlen.
Reinhard Bork

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