VID Verband Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschland: Unternehmensinsolvenzen im April 2026 gestiegen - Verkehr und Lagerei, Gast- und Baugewerbe besonders betroffen
Die Unternehmensinsolvenzen sind im April 2026 leicht gestiegen. Betroffen ist der Bereich Verkehr und Lagerei sowie das Gast- und Baugewerbe. Wesentliche Ursachen sind hohe Kosten und eine gedämpfte Nachfrage. Der Iran-Konflikt ist bislang kein eigenständiger Faktor, kann aber bestehende Probleme verstärken.
Das Statistische Bundesamt* hat heute die Zahl der Unternehmensinsolvenzen für den Monat April 2026 veröffentlicht. Demnach ist die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,1 Prozent gestiegen. Für den zurückliegenden Monat Juni veröffentlicht das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)** einen Anstieg der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften von 12,0 Prozent zum Mai 2026.
„Der Anstieg der Insolvenzzahlen zeigt, dass das wirtschaftliche Umfeld für viele Unternehmen herausfordernd ist“, erklärt Jutta Rüdlin, Insolvenzverwalterin und Mitglied im Vorstand des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID). „Vor allem kleine und mittelständische Betriebe im Automobilhandel, im Bereich Verkehr und Lagerei sowie im Gastgewerbe stehen vor Herausforderungen. Hohe Kosten, eine verhaltene Konsumnachfrage und eine insgesamt unsichere wirtschaftliche Perspektive schränken den Handlungsspielraum dieser Unternehmen ein“, so Rüdlin weiter.
Im Hotel- und Gastronomiegewerbe wirken sich hohe Energie- und Personalkosten sowie eine gedämpfte Konsumstimmung aus. Im Automobilhandel setzt sich der strukturelle Wandel fort, begleitet von Kaufzurückhaltung und steigenden Betriebskosten. Im Bereich Verkehr und Lagerei treffen hohe Kraftstoff- und Personalkosten auf eine schwächere Transportnachfrage infolge der gedämpften Industriekonjunktur. Im Baugewerbe belasten weiterhin hohe Material- und Finanzierungskosten sowie die anhaltend schwache Nachfrage im Wohnungsbau die Auftragslage vieler Betriebe.
Iran-Konflikt bislang kein eigenständiger Auslöser, aber möglicher Verstärker Nach Einschätzung des VID sind die aktuellen Insolvenzzahlen bislang nicht unmittelbar auf den Konflikt um den Iran zurückzuführen. Die entscheidenden Ursachen liegen weiterhin in strukturellen und konjunkturellen Faktoren: hohe Kosten, schwache Nachfrage und die Nachwirkungen mehrerer aufeinanderfolgender Krisenjahre.
Der Verband weist jedoch darauf hin, dass geopolitische Unsicherheiten indirekt wirken können, etwa über schwankende Energie- und Rohstoffpreise oder eine zurückhaltende Investitions- und Konsumstimmung, was insbesondere Unternehmen mit ohnehin angespannter Lage zusätzlich belasten kann. „Der Iran-Konflikt ist derzeit kein eigenständiger Treiber der Insolvenzentwicklung, kann aber bestehende Belastungen verstärken“, kommentiert Rüdlin. „Zum Katalysator einer Insolvenz wird er in der Regel nur dort, wo bereits zuvor grundlegende Schwierigkeiten bestanden – etwa ein nicht mehr zeitgemäßes Geschäftsmodell, zu spät getroffene unternehmerische Entscheidungen oder eine versäumte Transformation.“
Quellen:
* Unternehmensinsolvenzen im April 2026: +7,1 % gegenüber April 2025 (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/07/PD26_244_52411.html)
** IWH-Insolvenztrend: Firmenpleiten im zweiten Quartal auf höchstem Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten (https://www.iwh-halle.de/presse/pressemitteilungen/detail/iwh-insolvenztrend-firmenpleiten-im-zweiten-quartal-auf-hoechstem-stand-seit-mehr-als-zwei-jahrzehnten)
*** Grafik des VID: Entwicklung der Unternehmensinsolvenzzahlen (IN-Verfahren), © Verband Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID)/Juli 2026, Grafik kostenfrei nutzbar Nicht alle beantragten Insolvenzverfahren werden auch eröffnet. In der Regel liegt die Eröffnungsquote bei ca. 60 Prozent. Voraussetzung einer Eröffnung ist ein Eröffnungsgrund sowie die voraussichtliche Deckung der Verfahrenskosten.
Über den VID:
Der Verband Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands ist der Berufsverband der in Deutschland tätigen Insolvenzverwalter und Sachwalter. Mit mehr als 470 Mitgliedern vertritt er die überwiegende Mehrheit dieser Berufsgruppe. Mitglieder verpflichten sich zu "Grundsätzen ordnungsgemäßer Insolvenz- und Eigenverwaltung" und zur Zertifizierung nach ISO:9001. Der Verband hat damit Maßstäbe für eine unabhängige, transparente und qualitativ anspruchsvolle Insolvenzverwaltung gesetzt.


